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Wednesday, February 27. 2008
  Allerorts wird von entstehenden "Raucherclubs" berichtet. Allein in Augsburg sollen bis zu 200 Kneipen so erfolgreich das Rauchverbot umgehen.
Das schreit doch geradezu danach, einen überregionalen Verein zu gründen. Modell: Der Schirmverein kümmert sich um die Administrativa, um einheitliches Erkennungsmerkmal, Mitgliedskarten, Werbung und so weiter, während Kneipen gegen einen geringen Obulus oder gar kostenfrei beitreten können. Für Raucher und Nichtraucher bleibt die Mitgliedschaft natürlich in jedem Fall kostenlos.
Ja, was für ein Paradies für Zigarettenhersteller! Ich bin fest davon überzeugt, dass man meinetwegen an Philipp Morris herantreten könnte und die finanzieren einem das. Sie sponsorn ja sogar Frischluftheizpilze und Glasabtrennungen. Stellt euch nur mal die gezielten Werbemöglichkeiten vor... Und die geringe Einstiegshürde, das kann man durchaus als Einzelperson stemmen. Verein gründen, Website aufsetzen, Mails/Briefe an Kneipen raushauen, fertig.
Da gibts einiges an Kohle zu machen! Ran an den Rauch! Jetzt!
Friday, February 22. 2008
 Zutaten: Man nehme ein wenig Verschwörungstheorie - Geheimbünde, Templer, Religionen - also bereits ausgiebig am Publikum erprobtes Material, und mische es mit einer Prise momentaner Überwachungs-Paranoia. Obendrauf das geheimnisvolle Leben des Autors "außerhalb des Rasters", der Interviews wenn überhaupt nur über "mehrere nicht zurückverfolgbare" Satellitenverbindungen führt, schon konnte man sich des Erfolgs sicher sein. Anscheinend so sicher, dass John Twelve Hawks bei Random House gleich mal einen schönen Vertrag bekommen hat: 3 Bände werden erscheinen, online gefälschte Blogs und Webseiten von Protagonisten zu Werbezwecken, Hörbuch, weltweite Veröffentlichung, dickes Paket also. Dass man dann die Geschichten um das angebliche Erstlingswerk nicht so ganz glauben möchte, es gar Gerüchte gibt wie "Dan Brown ist John Twelve Hawks", das wundert einen nicht.
Zum Buch selbst: Die Meinungen gehen auseinander, von unbedingt lesen über schlechtester Roman des Jahres oder gar sinnlosester Bestseller aller Zeiten ist alles vertreten, bei mir reicht es zu einem besseren "mittelmässig". Das erste Drittel empfand ich als schleppend und wenig einfallsreich, aber irgendwie möchte man ja dann doch wissen wie es weitergeht. Erinnert durchaus an Dan Brown, von dem sich ja auch alles gleich liest ("kennste einen kennste alle"). Leichte Lektüre, trotz der Dicke auch flott durchgelesen, gut was für unterwegs. Wer Verschwörungstheorien mag und sich an etwas flachen Storylines nicht stört, dem sei das Buch durchaus empfohlen. Die 9 Euro fürs Taschenbuch waren jedenfalls nicht unbedingt rausgeschmissenes Geld, ich wurde unterhalten, und ich werde die Fortsetzungen lesen - vielleicht dann aber aus der Bücherei und nicht gekauft, und auf keinen Fall als teure gebundene Ausgabe.
Liest sich alles in allem ein wenig wie ein Buch zum Film, da wundert es kaum, dass die Filmrechte auch bereits verhökert sind.
QUOTE: Selbst der unbegabteste Geschichtsstudent wird einsehen, dass der Mensch gierig, impulsiv und grausam ist. Benthams Gefängnis hat uns jedoch gezeigt, dass soziale Kontrolle möglich ist, verfügt man über die richtigen Technologien. Es ist nicht notwendig, an jeder Ecke einen Polizisten zu postieren. Alles, was man braucht, ist ein virtuelles Panopticon, mit dessen Hilfe die Bevölkerung überwacht werden kann. Man braucht sie nicht im wörtlichen Sinne ständig im Auge zu haben; die Massen müssen sich lediglich mit der Möglichkeit der Überwachung und der Unabwendbarkeit von Strafe abfinden. Die Struktur, das System, die implizite Drohung müssen zum Lebensumstand werden. Indem die Leute ihre Vorstellungen von Privatsphäre aufgeben, ermöglichen sie eine friedfertige Gesellschaft.
QUOTE: Heutzutage haben die Leute Angst vor der Welt, in der sie leben, und diese Angst lässt sich leicht verstärken und aufrechterhalten. Die Leute wollen in unserem Panoticon leben. Wir werden wie gute Hirten über sie wachen, sie beobachten, kontrollieren und vor dem Unbekannten schützen. Außerdem kriegen sie von dem Gefängnis kaum etwas mit. Für Unterhaltung wird gesorgt. Ein Krieg im Nahen Osten. Ein Promiskandal. Die Fußballweltmeisterschaft, der Super Bowl. Medikamente, sowohl illegal als auch auf Rezept. Werbung. Ein neuer Hit. Neue Mode. Es mag Angst sein, die die Leute in unser Panopticon treibt, aber solange sie drinnen sind, werden sie bestens unterhalten.
Eine ausführliche Renzension mit viel Inhaltsangabe (wer's mag...) gibt's übrigens bei Ravenhorst.
Sunday, February 10. 2008
 Die "wilde Jugend" von Jesus Christus, erzählt von seinem Freund Biff. Gut recherchiert, streckenweise ganz witzig, aber oft auch platter Humor, der ausschließlich auf der Schiene "Bibelverarsche" beruht.
Hat mir weniger gut gefallen als die vielen sehr positiven Meinungen, die ich vorher gehört hatte.
Monday, February 4. 2008
 Trotz der 10 Jahre Differenz zwischen dem Dorfleben des Erzählers und der eigenen Jugend erstaunlich, wie wenig sich in der Zeit getan hat. Klar, einige Kleinigkeiten, er ist zum Beispiel ohne die Welle an Euro Dance und Euro Techno der 90er Jahre ausgekommen. Auch hatte ich leider nicht die Gelegenheit, die Goldenen Zitronen oder die Toten Hosen vor ihrem Bekanntwerden kennen zu lernen - geschweige denn danach. Das Buch ist wie ein Blick in die eigene Vergangenheit, und alle paar Zeilen fühlt man sich zurückversetzt. Da kommen Erinnerungen wieder hoch, die man schon lange auf dem Dachboden der Zeit eingemottet hatte.
Prügeln. Selbstgebastelte Böller. Luftwaffen. Labyrinth im Heu. Cola Rum. Mofa. Mädchen. Apfelkorn. Blutsbrüderschaft. Zerissene Jeans. Ängste. Rumhängen. Nachts ewig weit laufen. Und Musik. Viel Musik. Pause. Rotwein. Zigarette. Die alte "Porsche Genscher Hallo HSV" aus dem Regal holen und entstauben.
QUOTE: Ganz grob gesehen besteht mein Leben aus zwei Teilen.
Aus meiner Kindheit und dem Rest.
Der Rest begann, als ich circa zwölf Jahre alt war.
Davor war meiner Erinnerung nach alles in Ordnung, irgendwie alles normal. Ich war ganz in der Welt, ich sah mich nicht getrennt, reflektierte nicht über sie, nahm sie, wie sie war, freute mich über das meiste, benutzte zur Kommunikation die Sprache, mit der ich aufgewachsen war, die man mir beigebracht hatte. Eine ziemlich ideale Welt. Eine Zen-Welt. Eine Welt in Watte.
Dann aß ich vom Baum der Erkenntnis und wurde aus dem Paradies vertrieben.
Ingesamt sehr sympathisch und amüsant geschrieben. Lesen!
Monday, February 4. 2008
Edgar Morin, 86, französischer Philosoph und Soziologe, ist kürzlich wieder ins Gespräch gekommen, nachdem Sarkozy in seiner Neujahrsansprache den von ihm geprägten Begriff der "Zivilisationspolitik" aufgegriffen hat (in anderem Kontext). In der heutigen taz wurde Morin interviewt:
QUOTE:  Die extrem positiven Entwicklungen in Bereichen wie der Wissenschaft, der Technik und der Demokratie haben zugleich negative Aspekte produziert, die immer schwerwiegender werden.
"Können Sie konkrete Beispiele nennen?"
Der Individualismus. Er ist eigentlich ein sehr positives Phänomen. Weil er Autonomie und einen Sinn für die persönliche Verantwortung bringt. Zugleich hat er zum Verfall der früheren konkreten Solidaritäten beitragen: in der großen Familie und im Dorf. Das bringt Einsamkeit für die Mittellosen - und Egoismus für die anderen. Der Überfluss an materiellen Gütern bringt Befriedigung und materielles Wohlbefinden. Aber er geht einher mit psychologischem und moralischem Unwohlsein. Es gibt ein Unwohlsein in unserer Zivilisation. Die technisch-ökonomische Entwicklung hat den ökologischen Verfall provoziert, der vielfältige Verschmutzungen unserer Städte, Stress und psychosomatische Krankheiten auslöst. Das ökologische Problem ist eine direkte Konsequenz der Entwicklung unserer Zivilisation. (...) [Aber] Die Politiker starren alle wie hypnotisiert auf das Wachstum. Sie stecken in einer Falle. Sie wollen das große Problem der Arbeitslosigkeit durch Wachstum lösen und das Wachstum kommt nicht. Das Wachstum ist ein Mythos. (...) Die Menschen erleben auf private Art die Probleme, die eine soziale und politische Dimension haben. Sowie alle möglichen Vergiftungen durch Werbung, Konsum, Autos. Die Leute halten das Unwohlsein für ein privates Übel. Nehmen Psychopharmaka und Drogen. Und gehen zu Gurus und Psychoanalytikern. Tatsächlich ist es ein Problem, das von unserer urbanen Zivilisation kommt. Ein Leben mit der Stoppuhr, ein mechanisiertes Leben, ein hyperspezialisiertes Leben. Es geht darum, das Wohlsein zu suchen - eher, als die Akkumulation von materiellem Reichtum.
Das vollständige Interview ist online lesbar.
Ich frage mich ja schon länger, wieso immer von einem "mageren Wirtschafts wachstum von einigen Prozent" die Rede ist. Muss die Wirtschaft (in Deutschland) denn noch wachsen? Reicht es denn nicht, sie zu halten, um unseren Wohlstand zu gewährleisten? Irgendwann ist ausgewachsen. Defined tags for this entry: deutsch
Friday, February 1. 2008
 Hier der zweite Linkrückblick zu Privatsphäre-Themen im Januar.
Vorratsdatenspeicherung, Online-Durchsuchung, Polizeikongreß, Reisepaß, Datenpannen, Sexualstraftäterdateien/-überwachung, Fluggastdaten. Zum ersten Mal gehört: Ausweispflicht in Internetcafés.
Continue reading "Privatsphäre im Januar - Ein Linkrückblick"
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