Erstes interessantes Wikileaks-Buch?

Über die [url=http://www.bertelsmannkritik.de/mailingliste.htm]Anti-B-Mailingliste[/url] liefen ein paar Zitate aus dem Buch [url=]Julian Assange -Die Zerstörung von WikiLeaks? Anonymous… Info-Piraten versus Scientology, Pentagon und Finanzmafia[/url] von Gerd G. Rueger. Klingt auch nicht unbedingt so als würde man darin Neues lesen, aber immerhin hört es sich allein von den Überschriften her schonmal weitaus interessanter an als die restlichen Schinken zu Wikileaks. Hier die Auszüge bzw. Mail (Danke, tyyxx).


[quote]Liebe Medienkritiker,

WikiLeaks wählte dummerweise den SPIEGEL als Leitmedium in deutscher Sprache aus… der auch ein paar etwas kritischere
Artikel drum bringen musste -neben viel Abwiegelei- aber informieren uns die beiden Spiegel-Journalisten-Bücher gut über Assange und
seine Website? (“Staatsfeind Wikilekas”, “Assange-Mann des Jahrhunderts”) oder das von einer ZEIT-Journalistin “aufgeschriebene” Aussteigerbuch von Daniel Domscheit-Berg “Inside Wikileaks”?

Gerd R. Rueger meint Nein -und liefert eine WikiLeaks-Geschichte aus linker Perspektive (in der immer wieder kritisch auch auf Bertelsmann eingegangen wird) mit Augenmerk auf die Hackergruppe “Anonymous” und den Chaos Computer Club.

[url=http://anders-verlag.de/page2.php]http://anders-verlag.de/page2.php[/url]

Julian Assange –Die Zerstörung von WikiLeaks? Chaos Computer Club-Hacker gründen OpenLeaks: Anonymous Info-Piraten gegen Scientology, Pentagon und Finanzmafia

Gerd R. Rueger, Hamburg: Anders-Verlag 2011

Behandelt wird z.B. der Leak zu Toll Collect mit Hintergrund (Privatisierung
unter Anleitung von Bertelsmann):

S.33: “Als die Party im wilden Osten zuende war, sah sich die immer hungrige
Finanzmafia, pardon –branche, nach neuen Investitionsfeldern um. Interessierte
Kreise wollten die Privatisierung populärer machen, das angesagte Modell hieß
nun ‚Public Privat Partnership‘ (PPP) oder deutsch ‚Öffentlich Private
Partnerschaft‘ (ÖPP). 1999 hatte sich eine Initiative namens „Initiative D 21“
gegründet, die wollte den Staat modernisieren, was hieß: privatisieren. Dahinter
steckte der neoliberale Think Tank des größten deutschen Medienkonzerns
Bertelsmann (Rügemer 2008, 54). Ein seltsamer Konzern ist das, der gemeinhin so
tut als sei er nur ein Buchklub und kein Medienimperium mit unzähligen
Produkten, z.B. ‚Stern‘, ‚Spiegel‘, RTL, Arvato-IT-Logistik-usw.
Die „Bertelsmann-Stiftung“, so nennt sich der in Geld aus dem Mediengeschäft
schwimmende Think Tank, brachte 2002 mit der US-Wirtschaftskanzlei ‚Clifford
Chance‘ einen PPP-Leitfaden auf den Weg und trommelte dafür auch in seinen
Medien. Der „Medienkanzler“ Schröder –wessen Medien waren das noch mal?– brachte
nach seiner Wahl 1998 auch bald ein ÖPP-Förderungsgesetz zustande. Ach ja,
vorher hatte der Sozialdemokrat nach seinem Vorbild Tony Blair noch mit
„erheblichen Steuersenkungen für Kapitalgewinne und für Erlöse bei
Unternehmensverkäufen sowie mit der Agenda 2010 (Leiharbeit, Niedriglohn, ‚Hartz
IV‘) die grundsätzlichen Wünsche der deutschen und der US-Unternehmenslobby
erfüllt“ (Rügemer 2008, 53). Nun forcierte das rotgrüne Regierungsduo aus
Gerhard Schröder und Vizekanzler Joschka Fischer das PPP-Geschäft, manche
sprachen auch von der grassierenden Seuche einer „sozialpolitischen
Rotgrün-Blindheit“. Typische PPP-Merkmale sind laut Rügemer: Einseitige
Bevorteilung des privaten Konsortiums gegenüber der öffentlichen Hand,
kostspielige Beraterabhängigkeit, Privatisierung auch der Justiz und ganz
wichtig: Geheimhaltung der Verträge. Nach diesem Muster lief auch das
Toll-Collect-Projekt ab…”

Bertelsmann als Manipulations-Instanz S.53:

“Ein künftiges Krypto-Netz wird darin dem mit der Computertechnik immer
bedrohlicher werdenden Horrorbild einer allmächtigen Orwellianischen
Big-Brother-Diktatur entgegen gesetzt. Wenn viele heute bei „Big Brother“ eher
an eine lustige Container-Show mit Webcams denken als an totalitäre Kontrolle,
zeigt dies die zweite Seite der von Orwell beschriebenen High-Tech-Tyrannei:
Neusprech. So heißt die Gedankenkontrolle mittels Manipulation der Sprache, die
kritisches Denken im Keim erstickt, indem sie ihm die Begriffe raubt. In diesem
Fall durchgesetzt von Europas größtem Medienkonzern Bertelsmann und seiner
RTL-Senderfamilie (Böckelmann/Fischler 2004). Das Krypto-Netz von Timothy May
sollte den Bürger staatlichem Zugriff wenigstens soweit entziehen, dass er dort
die Möglichkeit haben sollte, sich anonym zu informieren und zu kommunizieren.
Die Cypherpunk-Liste befasste sich mit kritischer Technologiepolitik, mit
demokratischer Öffentlichkeit im Netz und dabei vor allem mit der in den USA
hochpolitisierten Kryptographie. Julian Assange und weitere WikiLeaks-Hacker
wurden rege Leser und Schreiber auf dieser Liste.”

Zur Bertelsmann Stiftung S.63:

“Dort tummeln sich schließlich sich auch Giganten wie die Bertelsmann-Stiftung,
mit zweistelligen Milliardenbeträgen an Stiftungskapital und ihrem globalen
Medienimperium dazu, welches nicht nur von ihrem Mitarbeiterstab in Armeestärke
über das getane Gute reden lassen kann, sondern auch senden, funken, berichten,
drucken usw. Dabei fördert Bertelsmann keinen außer sich selbst, ihre eigenen
Leute in ihren eigenen Projekten, sie nennt das „Operative Stiftung“ –andere
reden von einem neoliberalen Think Tank. Da diese Bertelsmann-Projekte Kritikern
oft dem profitorientierten Nutzen des Bertelsmann-Medienkonzerns konform zu
gehen scheinen, fordern diese Kritiker seit langem, der Bertelsmann Stiftung die
Gemeinnützigkeit abzuerkennen, die der Steuerzahler dazu noch über die Jahre
insgesamt mit Milliardenbeträgen subventioniert hat (Krämer/Lindner/Priehn
2009). Und doch ist die Bertelsmann-Stiftung in aller Munde mit ihren Projekten,
hat meist eine gute Presse, dauernde Medienpräsenz usw…. andere haben es nicht
so leicht, mit ihren Aktivitäten gesehen zu werden. Mit Zweifeln an ihrer Ethik
hat die Wau-Stiftung nicht zu kämpfen, ihre Gemeinnützigkeit ist unbestritten,
aber statt Kritikern machen ihr die Aufsichtsbehörden das Leben schwer: Im Zuge
der Finanz-Attacke auf die Konten von WikiLeaks entdeckte das
Regierungspräsidium Kassel, dass die Wau-Holland-Stiftung den
Rechenschaftsbericht für das Jahr 2009 noch nicht eingereicht hatte. Man
kündigte eine Überprüfung durch einen Wirtschaftsprüfer an, sollte die Stiftung
den Rechenschaftsbericht nicht nachreichen. Angeblich hatte dies nichts mit
WikiLeaks zu tun. Zu diesem Zeitpunkt war die Wau-Holland-Stiftung über ein
Konto bei der Commerzbank Kassel eine der letzten Spendenmöglichkeiten für
WikiLeaks…”

Zu Arvato und dem Datenschutz S.69:

“Aber die CCC-Bemühungen mussten immer weiter gehen, immer mehr Felder erfassen
und sich dabei hüten, vor den Karren von Interessengruppen gespannt zu werden.
Ein Paradies freier Daten führt nicht automatisch zu einer Neuerfindung der
Öffentlichkeit (Bürgenmeier, 256). Und die CCC-Losung „Private Daten schützen,
öffentliche Daten nützen“ wurde von Konzern-Molochen wie etwa Arvato
(Bertelsmann), dem Halter der größten privaten Datenbank persönlicher Daten in
Deutschland, pervertiert: Unsere Datenbanken sind Privatbesitz und verdienen
Schutz, eure Daten, die wir fleißig sammeln, sind öffentlich, denn ihr gebt sie
uns ja freiwillig, in den sogenannten „Sozialen Netzwerken“ oder wenn wir etwa
im öffentlichen Raum tolle Gewinnspiele für euch anbieten.”

…und zur NS-Zeit S.73:

“Neben der Informations- und Bildungsaufgabe haben Medien ein viel lukrativeres
Geschäft: Die Unterhaltung. Auch Goebbels wusste schon, dass noch besser als ein
mit selektierter Information und verzerrten Nachrichten manipulierter Kopf einer
ist, der mit Seichtkultur leergefegt wurde. So leer, dass er immer mehr auch nur
noch für die seichte Unterhaltung empfänglich ist, mit der er unaufhörlich
durchgespült werden muss. Goebbels überließ dies im Nazi-Faschismus u.a. dem
Bertelsmann-Verlag, der mit Entertainment von Nazigreueln ablenken und dabei
reich werden durfte: als Keimzelle des heutigen Bertelsmann-Medienimperiums. Wer
mit schnulzigen Romanen und Heimatfilmen eine Traumwelt in seinem Hirn aufgebaut
und gepäppelt hat, wird im wirklichen Leben auch die billigen Phantasmen von der
Herrenrasse mit den Wunderwaffen glauben. Auch heute hört man, dass sich viele
Medienkonsumenten im „Nachrichtenslalom“ üben, dem schnellen Wegzappen, sobald
etwas Nicht-Unterhaltsames auf der Mattscheibe erscheint (Wieczorek, 170).”

und Berlusconi:

“Berlusconi, dem der Medienphilosoph Paul Virilio einen „Staatsstreich der
Medien“ und eine „ethische Säuberung“ der politischen Klasse nachsagt (Virilio,
219). Auch Think Tanks sind dabei ein wohlfeiles Machtinstrument, von der
Rockefeller- bis zur Bertelsmann-Stiftung, zumal sie sich als sogenannte
„Zivilgesellschaft“, quasi als engagierte Bürger, hinstellen und eine Art
simulierte Demokratie installieren können. Tatsächlich werden dort Leute von der
Geldelite dafür engagiert, Bürgerinitiativen quasi Konkurrenz zu machen, sie vom
Markt der Aufmerksamkeit zu verdrängen –was dank Geld- und Medienmacht auch oft
genug gelingt. Durch eine Anbindung der Angestellten solcher Think Tanks an
Parteien und politische Denkfabriken als wissenschaftliche Berater können
Konzepte wie die neoliberale „Agenda 2010“ der rotgrünen Bundesregierung, die
„Bologna Reform“ der europäischen Hochschulen, oder die „Orangene Revolution“ in
der Ukraine lanciert werden (Schulzki-Haddouti 2005).”

aber schließt optimistisch:

“Doch wahrscheinlich führt die ökonomische Brille nicht sehr weit, dafür steckt
das Projekt zu tief in politischen Kämpfen. Es ist kaum vorstellbar, dass eines
Tages Disney oder Bertelsmann die Website übernehmen, dass Assange wie
Zuckerberg mit seiner Website zum Digerati-Millionär wird, um die
Digitalisierung für Profit und Ausbeutung zu missbrauchen (Capurro 2005, 368).
Eher denkbar ist vielleicht, dass WikiLeaks zum Kristallisationskeim einer neuen
Form von Gesellschaftsordnung wird. Zu hoffen ist, dass die drohenden
Big-Brother-Strukturen eines Cyber-Leviathan a la Münkler durch Umkehrung der
Beobachtungsrichtung auf die Machtzentralen von Staat und Wirtschaft zu einer
Variante des „Inversen Panoptismus“ umgelenkt werden können. Aber das ist
Zukunftsmusik. Davor liegen die Mühen der Ebene. ”

_______________________________________________

Anti-b Mailingliste gegen Bertelsmann

http://www.bertelsmannkritik.de , http://www.anti-bertelsmann.de

Nachrichten an: Anti-b@lists.idash.org

Einstellungen und Austragen: https://lists.idash.org/cgi-bin/mailman/listinfo/anti-b
[/quote]

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