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Wednesday, April 28. 2010
 Während die Meinungsmache von Albrecht Müller mich noch ambivalent zurückgelassen hat, es ist einfach teilweise gar zu links und einseitig (Aussage eines mir bekannten Finanzmenschen zum Abschnitt der Rentenversichungspolemik: "Einige Aussagen stimmen aber die Mehrheit ist schlecht recherchiert und aus diesem Grund ist das Geschriebene weniger Wert als das Papier"), gehört Tom Schimmeck's Werk über Medien, Politik und Meinungsmache eindeutig von jedem mündigen Bürger und in jeder Schulklasse gelesen. Tut mir leid, aber ist so. Es gibt einfach noch zu viele Leute die denken, Propaganda hätten wir zusammen mit dem Dritten Reich "überwunden". Dabei ist es nur perfider geworden. Schon bezeichnend, dass nicht einmal Schimmeck und Albrecht Müller gerne das Wort in den Mund nehmen, sondern lieber von "Meinungsmache" sprechen.
Gibts dank mir auch in der SLUB, sobald ich mein Exemplar zurückgebracht hab.
Wer erstmal nur hören will statt lesen: WDR3 Resonanzen: Tom Schimmeck im Gespräch, er spricht und betont aber sehr seltsam... lieber lesen.
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Monday, March 22. 2010
 QUOTE: Es ist kein Geheimnis, dass Armut ein Teufelskreis ist und die Chancen der in Armut lebenden Erwachsenen und Kinder auf eine gleichwertige Beteiligung nachhaltig mindert. Das ist keine Basis für eine demokratisch verfasste Gesellschaft. In einer Demokratie absolut unerträglich ist das massenhafte Plündern öffentlichen Vermögens, wie wir es heute bei uns erleben.
Ein weiteres Beispiel ist die bewusst betriebene Dominanz der Wirtschaft und des großen Geldes im öffentlichen Leben. Was so schön klingt wie "Zivilgesellschaft" oder "Förderung des Stiftungswesens", läuft im Kern häufig auf eine Entdemokratisierung des öffentlichen Lebens hinaus. Unsere Universitäten werden dem Einfluss des Staates schrittweise entzogen und Gremien überlassen, in denen Vertreter der Wirtschaft das Sagen haben. Die Öffentlichkeit darf allerdings weiter zahlen. Wenn öffentliche Leistungen durch Mittel aus Stiftungen und durch Sponsoring ersetzt werden, ist damit in der Regel verbunden, dass der Einfluss finanzieller Interessen wächst und der der demokratischen Öffentlichkeit schwindet. So ist es offensichtlich gewollt.
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Monday, March 22. 2010
 QUOTE: "Da bin ich mir nicht so sicher", meinte Maneck. "Wäre es nicht besser, ehrlich zu reagieren, anstatt seine Gefühle zu verstecken? Vielleicht, wenn jeder im Land wütend oder verärgert wäre, könnte das die Dinge so verändern, daß die Politiker gezwungen wären, sich ordentlich zu benehmen."
Die Augen des Mannes leuchteten auf, als sich die Gelegenheit zu einem Streitgespräch bot. "Theoretisch schon, da würde ich Ihnen zustimmen. Aber in der Praxis könnte es zu noch größeren Katastrophen führen. Versuchen Sie sich doch mal sechshundert Millionen wütender, heulender, schluchzender Menschen vorzustellen. Jeder im ganzen Land - einschließlich Flugzeugpiloten, Lokführer, Bus- und Straßenbahnfahrer, die alle die Beherrschung verlieren. Was für eine Katastrophe! Flugzeuge würden vom Himmel fallen, Züge würden entgleisen, Schiffe sinken, Busse und Lastwagen und Autos würden zusammenstoßen. Chaos. Vollständiges Chaos."
Er hielt inne, um Maneck Gelegenheit zu geben, sich die Details der Anarchie, die er gerade entfesselt hatte, auszumalen. "Und bitte denken Sie auch daran: Wissenschaftler haben die Auswirkungen von Massenhysterie und Massensuizid auf die Umwelt noch nicht erforscht. Nicht in diesem subkontinentalen Maßstab. Wenn der Flügelschlag eines Schmetterlings um den halben Globus herum atmosphärische Störungen verursachen kann, wer weiß, was in unserem Fall passieren könnte? Stürme? Wirbelstürme? Flutwellen? Und die Landmasse, würde sie vor Empathie beben? Würden die Berge explodieren? Und die Flüsse, würden sie durch die Tränen aus zwölfhundert Millionen Augen ansteigen und über die Ufer treten?"
Er nahm einen weiteren Schluck aus der grünen Flasche. "Nein, das ist zu gefährlich. Lieber so weitermachen wie bisher." (S. 331)
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Sunday, January 31. 2010
Das Gesprächsbuch von Elmar Altvater und Raul Zelik, Die Vermessung der Utopie, soll als Diskussionsgrundlage dienen, schafft es dann aber nicht, das Internet sinnvoll als Diskussionsplattform zu nutzen - trotz Creative Commons-Veröffentlichung. Ein einzelner, unstrukturierter Kommentarstrom? Schade. Dennoch lesenswert.
Tuesday, January 29. 2008
 In meiner Reihe "50 Bücher für 2008" beginne ich mit einigen Büchern, die leider nicht gewertet werden können. Bei diesem Buch hier bin ich eigentlich ganz froh darüber - es ist einfach zu grottig. Zu Weihnachten bekommen, kurze Zeit später angefangen (deshalb zählt es nicht), dann unmittelbar zur Klolektüre für schlechte Zeiten umfunktioniert - wenn die c't und die taz also bereits ausgelesen sind und einem nichts anderes übrig bleibt. Neue Klolektüre übrigens (und das ist nicht abwertend gemeint): "Martin Hecht: Deutsche Unsitten".
Ich mag Woody Allen ja. Gerade frühere Filme, aber auch noch "Small Time Crooks" und meinetwegen "The Curse of the Jade Scorpion". Aber ich muß sagen, die neueren Hollywood-Schinken von ihm sind auch nichts besonderes mehr, und seit dem Buch, tut mir leid, habe ich den Respekt verloren.
Klappentext:
QUOTE: Endlich sind sie da, die neuen Stories vom "fröhlichsten Neurotiker unserer Zeit"! Mit Filmen wie Annie Hall und Manhattan wurde Woody Allen zu dem Portraitisten New Yorks und seiner Bewohner. Wer glaubt, Allens Texte seien lediglich Nebenprodukte, der irrt. Wieder erweist sich der große Regisseur als Meister der Worte. Seine Phantasie ist ein Wirbelsturm, der die ganze Welt in sich hereinsaugt und wieder ausspuckt: als groteske Schaubude, als Slapstick und Farce. Fünfundzwanzig Jahre ist nichts von ihm erschienen, nun ist der begnadete Erzähler Woody Allen zurück.
Anfangs dachte ich noch, die Texte könnten ja eventuell noch lustig sein... für Insider. Aber, ohne noch große Worte zu verlieren, zitiere ich einen wahllos ausgesuchten Abschnitt aus dem Buch, dann kann sich jeder selbst ein Bild machen. So "lustig" ist das gesamte Buch.
QUOTE: Ich erwähnte den Aminatapilz, der spurlos töten kann, doch Sam verwarf diese Möglichkeit. "Es gab nur einen Bioladen, der wirklich todbringende Pilze angeboten hat, aber der hat vor Jahren dichtgemacht, als rauskam, dass sie nicht aus ökologischem Anbau stammten."
Ich dankte Sam und rief Lou Watson an, der ganz aufgekratzt war, weil er am Tatort einen astreinen Satz Fingerabdrücke gesichert hatte, die er in einem anderen Bezirk prompt gegen ein paar seltene und ziemlich wertvolle Fingerabdrücke von Enrico Caruso hatte tauschen können. Lou sagte, das Labor habe ein Haar entdeckt. Und eine kahle Stelle. Das Haar führte dummerweise zu einem achtjährigen Kind, und die Kahlstelle ließ sich neun Männern in der ersten Reihe einer Stripshow zuordnen, die alle über ein wasserdichtes Alibi verfügten.
Im Präsidium redete ich ein paar Takte mit Ben Rogers, der mein Mentor ist und die Yuppie-Restaurant-Morde aufgeklärt hat, bei denen die Opfer erschossen und dann leicht mit Limone und frischer Minze bestreut wurden. Ben hatte gewartet, bis dem Mörder die frische Minze ausging und er auf gehackte Walnüsse ausweichen musste, die anhand ihrer Seriennummern zurückverfolgt werden konnten.
"Erzähl mir von den Opfern", sagte ich. "Hatten sie Feinde?"
"Klar hatten sie Feinde", sagte Ben, "aber ihre Feinde waren alle im Mar-A-Lago in Palm Beach. Da fand ein großer Feindkongreß statt, an dem so gut wie jeder Feind von der Ostküste teilnahm."
Ohne Worte.
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