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Buch #4 – Khaled Hosseini: Drachenläufer

Melancholie. Melancholie, weil das im Buch beschriebene Aufwachsen zumindest in der “westlichen Welt” schon lange der Vergangenheit angehört. Manchmal wünsche ich mir eine solche Kindheit, und gerade im ersten Teil des Buches war es vor allem das, was mich bewegt hat.
Traurigkeit. Traurigkeit, weil es eine sehr traurige, gut erzählte Geschichte ist.
Wut. Wut darüber, dass ich zu schwach bin. Wieso sollte man sich als Ausländer, als Flüchtling, der aus seiner Heimat vertrieben wurde, in die “westliche Welt” integrieren wollen, in der Werte wie Ehre, Güte, Gemeinschaft und Respekt vor dem Alter nicht existent sind? Kann man glücklich sein, in einer Ellbogengesellschaft, die neben Depression, Burnout und Egoismus ihren Kindern nicht viel beizubringen hat? Man findet sich damit ab, und ich bin nicht stark genug, um mich dagegen zu wehren. Was bleibt ist das schwammige Gefühl, ausbrechen zu müssen, aussteigen, Into The Wild sozusagen, um diese Werte zu suchen. Und dann? Kann man sie in diese Welt mitnehmen, auf Dauer? Ich denke nicht. Ich bin jedenfalls gespannt was die Zukunft da so mit sich bringt, irgendwie kann es so ja nicht weitergehen… die westliche Welt frißt sich selbst auf.
Das Buch trifft mich, weil nicht mal ich als denkender, eigentlich toleranter Mensch immer offen und freundlich bin. Weil wir ja so viel “weiter” sind. Arrogant sind wir. Sollten nicht wir uns integrieren, statt Ausländer dazu zu zwingen, sich zu integrieren?
Ein sehr gutes Buch. Sehr gut auch, dass es mich vor der Verfilmung erwischt hat, und ich nicht durch einen Trailer dazu gezwungen wurde, den Inhalt bereits vorgekaut präsentiert zu bekommen.
[quote]Güte, wahre Güte, erwächst aus Reue.[/quote]