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Buch #8 – Heinrich Harrer: Sieben Jahre in Tibet

Anstatt einer eigenen Rezension zitiere ich [url=http://www.sachbuchforschung.de/html/rez_d_30.html]Michael Schikowski[/url]:
[quote]Wenn man dieses Buch heute liest, stellt man unverhofft fest, dass die Lektüre doppelt lohnt. Zunächst ist Harrers Abenteuerbericht aus Tibet ein Buch, wie es in solchen Fällen sein soll: ganz schnörkellos, sehr sachlich und mit der Überlegenheit des staunenden Europäers geschrieben. Ein wenig wie Mark Twains “Yankee an König Artus’ Hof”, woran man mehr oder weniger Gefallen finden mag. Was in diesen Berichten an Tiefenschärfe der Beschreibungen gelegentlich fehlen mag, wird durch die Fälle der Ereignisse aufgewogen. So liest man unaufhaltsam weiter und weiter.
Auf der zweiten Ebene aber, und das ist der springende Punkt, offenbart sich dieses Buch an vielen Details der Beschreibung von Menschen und Kultur als typisches Produkt seiner Zeit. Die Zustimmung, die sich der Autor vor über fünfzig Jahren erschrieb, kann man auf vielen Seiten dieses Buches mitlesen. Und auch heute wird man das Bewusstsein nicht los, hier ein Sachbuch vor sich zu haben, dessen Nimbus des unbestrittenen Klassikers auf jeder Seite präsent ist.[/quote]


Und ein paar Zitate aus dem Buch selbst:
[quote]Um eines beneideten wir die Bewohner von Lhasa besonders, wenn wir an unsere europäischen Städte dachten: Sie hatten immer Zeit! Die schlimmste Krankheit unseres Jahrhunderts, die ewige Hetzjagd, hat hier noch keinen Eingang gefunden. Niemand überarbeitet sich. In den Ämtern ging es sehr gemütlich zu. Die Beamten erschienen am späten Nachmittag und begaben sich am frühen Nachmittag wieder nach Hause. War einer verhindert, hatte er Gäste, dann schickte er einfach einen Diener zu einem Kollegen und ließ sich vertreten.[/quote]
[quote]Ob nicht Tibets eigene Kultur und Lebensart so manche technische Erfindung aufwiegt? Wo in der westlichen Welt gibt es noch dies vollendete Höflichkeit? Nie verliert hier jemand sein “Gesicht”, nie wird einer ausfällig. Auch Feinde im politischen Leben behandeln einander mit Achtung und Höflichkeit und begrüßen einander freundlich, wenn sie sich auf der Straße treffen.[/quote]
[quote]Wenn jemand verreist, lassen seine Freunde oft noch zehn Kilometer vor der Stadt ein Zelt errichten und erwarten ihn mit einem Abschiedsmahl. Dann erst läßt man ihn ziehen, überschüttet mit weißen Schleifen und begleitet von den herzlichsten Wünschen. Bei der Rückkehr spielt sich das selbe ab, und wenn jemand viele Freunde hat, kann es ihm passieren, daß er an mehreren Stellen feierlich empfangen wird. Oft sieht der Heimkehrer den Potala schon in der Frühe, aber auf dem Weg zur Stadt wartet ein Zelt nach dem anderen auf ihn mit fröhlichem Willkommen. So wird es Abend, bis er in die Stadt einzieht, und aus seiner Karawane ist ein stattlicher Aufzug geworden, denn alle Freunde mit ihren Dienern haben sich angeschlossen, und er kommt mit dem frohen Gefühl nach Hause, daß man ihn nicht vergessen hat.[/quote]