Stellungnahme zur Bertelsmannrepublik Deutschland

Heute erscheint das Buch [url=http://www.amazon.de/Bertelsmannrepublik-Deutschland-Stiftung-macht-Politik/dp/3593390973/]Bertelsmannrepublik Deutschland[/url], in dem sich Thomas Schuler mit den Machenschaften von Bertelsmann und den Verstrickungen in die Politik beschäftigt. Ein weiterer Baustein auf dem lange überfälligen Weg in die Zerschlagung eines der wesentlichen Macht- und Propagandazentren Deutschlands.
Thomas Schüler hatte auch mit seinem Buch [url=http://www.amazon.de/dp/3404615727/]Die Mohns[/url] über die Familie Mohn und die Firmengeschichte Bertelsmanns im Jahr 2005 für Aufsehen gesorgt (naja, Interesse in eh schon gebildeten Kreisen…), aber das aktuelle wird hoffentlich noch mehr auf Resonanz stoßen. Schön auch, dass die Bertelsmann-Stiftung so schnell mit ihrer Stellungnahme und einem wunderschönen Interview war.


Tenor: Jaja, ist doch alles vorbei und Jahre her, wir sind inzwischen da ganz anders. Am geilsten: “Die Bertelsmann Stiftung wird sich auch in Zukunft der Tradition ihres Gründers Reinhard Mohn für den Fortschritt der Gesellschaft einsetzen.” Schön, dass man einer solchen Tradition folgen will: Bertelsmann hat [url=http://www.hagalil.com/archiv/99/03/bertelsmann.htm]seit 1933 die Nazipropagandamaschine gefahren[/url], Reinhard Mohn hat sich später die kecke Sekretärin und ehemalige Zahnarzthelferin Liz als Mätresse genommen, und – [url=http://www.taz.de/1/archiv/archiv/?dig=2004/03/22/a0216]laut[/url] [url=http://www.focus.de/kultur/medien/konzerne-reinhard-kann-jetzt-nicht_aid_201115.html]Sohn[/url] [url=http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/bertelsmann-der-ungeliebte-sohn-geht-1.699831]Andreas[/url] – sie zum Schein erstmal mit jemand anderem zwangsverheiraten lassen. Sie lebten in getrennten Villen, angeblich musste Liz sich, wie man sich das so vorstellt, auch brav telefonisch anmelden vor Besuchen. Das hinderte sie aber nicht daran, zusammen mit [url=http://belljangler.wordpress.com/2010/07/11/die-lugen-ulla-ursula-von-der-leyen-und-die-burgerarbeiter-z-k-zentralrat-der-juden-cvjm-berlin-cdu-hannover-womblog-mein-parteibuch-nachrichtenspiegel-online/]der[/url] [url=http://www.netzpolitik.org/2009/die-dreizehn-luegen-der-zensursula/]notorischen[/url] [url=http://www.fr-online.de/politik/wo-ist-von-der-leyens-coole-karte-/-/1472596/4538156/-/index.html]Lügnerin[/url] Von Der Leyen ein schönes Buch über die Familie und Kindeserziehung zu schreiben. (siehe auch [url=http://www.focus.de/kultur/medien/konzerne-reinhard-kann-jetzt-nicht_aid_201115.html]Focus: “Reinhard kann jetzt nicht”[/url])
[quote]Antisemitismus und nationalistischer Grössenwahn waren den Deutschen nicht angeboren, sondern ideologische Phänomene, auf die die NS-Politik nicht ohne die Hilfe von cleveren und «modernen» Marketingspezialisten in konjunkturbewussten Verlagen hätte zurückgreifen können. Dort wurden diese Ideologeme aufgenommen oder eigens gemacht, verstärkt und in lukratives Schrifttum umgemünzt. ([url=http://www.hagalil.com/archiv/99/03/bertelsmann.htm]Neue Zürcher Zeitung, 8.3.1999[/url])[/quote]
[quote]Bertelsmann ist bis heute geprägt vom pluralistischen Ansatz, d. h. auch kritische Werke (mit gewissen Grenzen), die durchaus nicht der Meinung der Besitzerfamilie entsprechen, haben ihre Berechtigung. So ähnlich funktioniert auch die Firmenpolitik. Die unterschiedlichen Manager der Bertelsmannfirmen haben weitestgehend freie Hand in ihren Entscheidungen, solange sie die Grundsätze des festgelegten “Code Bertelsmann” nicht verlassen. Trepp erläutert diese Grundprinzipien ausführlich. Für Klöne/Biermann ist dies ein korporatistisches Führungsmodell, das Ähnlichkeiten aufweist mit der “faschistischen Idee der “Betriebsgemeinschaft”, der ebenfalls die Vorstellung gemeinsamer Ziele von “Betriebsführer” und “Gefolgschaft” zugrunde lag.” ([url=http://www.terz.org/texte/texte_0712/books.html]TERZ Magazin 12/2007[/url])[/quote]
Naja, Schwamm drüber, alles alte Geschichten! Aber sie mussten ja unbedingt ihre “Tradition” ansprechen, sonst hätte man das auch nicht auspacken müssen. Bleiben wir doch bitte bei der Neuzeit, also aktuell, heute.
[quote]Wie kaum ein anderer Unternehmer hat sich Reinhard Mohn kritisch mit den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen der zurückliegenden Jahrzehnte auseinandergesetzt. Auf der Grundlage seiner persönlichen Erfahrungen formulierte er in zahlreichen Veröffentlichtungen sein gesellschaftspolitisches Anliegen. “Wirtschaftliches Denken und demokratische Kultur dürfen keine Gegensätze sein. Nur in einem Bekenntnis zu Menschlichkeit und Freiheit lassen sich die Herausforderungen der Globalisierung bewältigen.” (Werbung der Bertelsmann-Stiftung in “Publikationen 2010”, April 2010)[/quote]
Mal zur Stellungnahme: Betont ausgerechnet Vorstandsvorsitzender [url=http://www.bertelsmann-stiftung.de/cps/rde/xchg/SID-177AAAFC-B9EE1877/bst/hs.xsl/nachrichten_102711.htm]Dr. Gunter Thielen in einem “Interview” auf den Seiten der Bertelsmann-Stiftung[/url], das wären alles alte Kamellen, und die Stiftung wäre sowieso schon immer unabhängig:
[quote]”Nach meiner Erfahrung bewegen sich Stiftung und AG in ganz unterschiedlichen Zusammenhängen und sind nicht im Austausch mit den gleichen Akteuren.”
“Sowohl bei der Bertelsmann Stiftung als auch bei der Bertelsmann AG achtet man sehr genau darauf, dass es nicht zu Überschneidungen von Handlungs- und Geschäftsfeldern kommt. “[/quote]
Da kann man doch nur lachen. Muss man wirklich [url=http://de.wikipedia.org/wiki/Gunter_Thielen]aus seinem eigenen Lebenslauf zitieren?[/url]
[quote]2001 wurde er zusätzlich Vorsitzender des Kuratoriums und des Präsidiums der Bertelsmann Stiftung in Gütersloh und Vorsitzender der Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft mbH (BVG), die die Stimmrechter der Bertelsmann AG ausübt. Er ist darüber hinaus Mitglied im Beirat des Centrums für Hochschulentwicklung. Ab 5. August 2002 war Thielen Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann AG und folgte damit [url=http://de.wikipedia.org/wiki/Thomas_Middelhoff]Thomas Middelhoff[/url] auf diesem Posten. Am 1. Januar 2008 wurde er von Hartmut Ostrowski abgelöst und wechselte als Vorstandsvorsitzender wieder zurück in die Bertelsmann Stiftung.
Seit 11. Januar 2008 ist Thielen Chef des Aufsichtsrates bei dem Gütersloher Medienkonzern.
2005 initiierte Thielen die Kampagne Du bist Deutschland.
Thielen ist Mitglied im Hochschulrat der Hochschule der Medien Stuttgart. Seit Mai 2006 ist Thielen Lehrbeauftragter am Institut für Corporate Governance (ICG) an der Universität Witten/Herdecke.[/quote]
Wer will, kann sich ja auch mal mit der personellen Zusammensetzung dieser Universität Witten/Herdecke auseinander setzen. Da kommt einem nur noch das Kotzen.
Und noch sowas:
[quote]”Die Bertelsmann Stiftung ist seit über dreißig Jahren als gemeinnützige und operativ arbeitende Stiftung aktiv. In der gesamten Zeit ist bei all den Überprüfungen nie unsere Gemeinnützigkeit in Frage gestellt worden.”[/quote]
Siehe dazu [url=http://anti-bertelsmann.de/2009/gutachten2.html]das Gutachten hier[/url]…
Das wollte ich jetzt nur mal direkt loswerden, viel mehr ist bereits lange auch online dokumentiert. Eine kleine Auswahl an Links:

  • [url=http://www.nachdenkseiten.de/?p=4212]Nachdenkseiten: Wie die Bertelsmann Stiftung neues Vertrauen zurückgewinnen will – Ein Rückblick[/url] (23. September 2009)
  • [url=http://www.heise.de/tp/r4/artikel/24/24025/1.html]Telepolis: Plagiiert, beraten und verkauft? McKinsey, Bertelsmann und Hartz IV[/url] (20. November 2006)
  • [url=http://www.bertelsmannkritik.de/index.htm]bertelsmannkritik.de: Online-Broschüre zur Aufklärung über Bertelsmann[/url]
  • [url=http://anti-bertelsmann.de/]Anti-Bertelsmann.de: Die Rolle der Bertelsmann-Stiftung bei der neoliberalen Staatsmodernisierung[/url]
  • [url=http://www.gegen-stimmen.de/]gegen-stimmen.de: Bertelsmann-Monitor etc.[/url]
  • [url=http://www.stop-bertelsmann.de/]stop-bertelsmann.de: für eine korruptionsfreie, demokratische, kritische Bildung und Wirtschaft[/url]

Zum Abschluß noch ein empfehlenswerter Kommentar: [url=http://www.antiferengi.de/cgi-bin/environ?line=blogs&act=show&bnr=396&cnr=&bcnr=]Antiferengi: Die Methode Bertelsmann von Thomas Schuler in der TAZ kann nur ein Anfang sein[/url]
[quote]Über die Bertelsmann-Stiftung alleine zu reden, ist zu wenig. Dann muss man auch über das “Centum für angewandte Politikforschung (CAP)”, das “Centrum für Hochschulentwicklung (CHE)”, das “Centrum für Krankenhausmanagement”, das Projekt “Selbstständige Schule”, und viele viele andere Einrichtungen, Projekte und Institutionen dieser Stiftung sprechen, – die ihren Einfluss mittlerweile bis hinein in die Kindergärten gepflanzt hat. Das unbedingte Bindeglied ist dabei ein europa- ja mittlerweile weltweiter Medienpark, der seinesgleichen erst suchen muss. In diesem Zuge, kann man auch gleich über andere Stiftungen, wie z.B. Robert-Bosch-, Friedrich-Naumann-, Heinrich-Böll-, und Konrad-Adenauer-Stiftung usw. reden. Und landesweite PR-Konzepte, wie die “Initiative neue Soziale Marktwirtschaft (INSM)” sollten auf keinen Fall vergessen werden. Alles Einrichtungen, Kampagnen und Institutionen, welche einen vollkommen undemokratisch, einheitlichen politischen Willen mit Arbeitgeber- und Wirtschaftsinteressen vertreten (…)[/quote]

1 Response

  1. do-panic says:

    Gut kommentiert. Zur Ergänzung muss gesagt werden, das die Stiftung Weltweit ihre Lobbyvertreter hat, und direkt Gesetzestexte vorformuliert um so Einfluss auf das soziale und wirtschaftliche Gefüge in den einzelnen Ländern zu nehmen, als auch global einzuwirken und zu steuern. So z.B. die Vertragstexte von Lisabon.