Die Bundesrepublik Deutschland: eine Bilanz nach 60 Jahren

Gerade bei Google Books über [url=http://books.google.com/books?id=OThqlaLQjFIC]Die Bundesrepublik Deutschland: eine Bilanz nach 60 Jahren[/url] (2008) gestolpert und quergelesen.
[quote]Historiker, Politologen, Ökonomen und Angehörige weiterer Disziplinen schreiben in diesem Werk zu zentralen Aspekten der Geschichte der Bundesrepublik und geben Ausblicke auf die Zukunftsfähigkeit des seit 1990 wiedervereinigten Deutschlands. [/quote]


Ich habe mich zuerst mal über folgenden Artikel hergemacht:

Hans Mathias Kepplinger: Wirkungen des Fernsehens in der Bundesrepublik

[quote]In den fünfziger Jahren erklärten weniger als 30 Prozent der Bevölkerung, sie würden sich für Politik interessieren, zu Beginn der neunziger Jahre waren es über 50 Prozent. Diese Entwicklung verlief nahezu zeitgleich mit der Ausbreitung des Fernsehens und kam, als nahezu alle Familien Fernsehgeräte besaßen, zum Stillstand, was darauf hindeutet, dass die Ausbreitung des Fernsehens die Ursache der Verbreitung des politischen Interesses war. (…)
Aufgrund der Tatsache, dass sich in der Bundesrepublik Deutschland seit den fünfziger Jahren immer mehr Menschen für Politik interessieren, kann man vermuten, dass sich die politischen Kenntnisse der Bevölkerung in ähnlichem Maße verbessert haben. Diese Vermutung ist jedoch falsch. (…)
Darauf gibt es zwei Antworten, die im folgenden Fall näher betrachtet werden: Erstens, die meisten Zuschauer von politischen Informationssendungen erliegen einer Wissensillusion. Zweitens, der Einfluss des Fernsehens auf die politische Meinungsbildung erfolgt nicht primär durch die Vermittlung von politisch relevantem Sachwissen. (…)
ARD, ZDF, RTL und SAT.1 haben in ihren Fernsehnachrichten von Frühjahr 1998 bis zum Herbst 2002 bei der Berichterstattung über Konflikte zwischen individuellen Ansprüchen und institutioneller Leistungskraft in mehr als der Hälfte ihrer Beiträge (58 Prozent) den Eindruck erweckt, dass die Befriedigung der individuellen Ansprüche Vorrang besitze vor der Erhaltung oder Herstellung der Leistungskraft der Institutionen. In einem Viertel ihrer Beiträge (26 Prozent) haben sie den Eindruck vermittelt, dass die Erhaltung oder Herstellung der Leistungskraft der Institutionen Vorrang vor den individuellen Ansprüchen habe. Der Rest der Beiträge war ambivalent. Die ganze politische Problematik dieser Darstellungsweise offenbart jedoch erst ein Blick auf die Monate direkt vor den Bundestagswahlen 1998 und 2002. In diesen beiden Phasen haben die Sender in etwa 70 Prozent ihrer Beiträge den Vorrang der individuellen Ansprüche vor der Leistungskraft der Institutionen betont und nur in etwa 10 Prozent die Grenzen der institutionellen Leistungkraft hervorgehoben. (…)
In den Fernsehnachrichten vor der Bundestagswahl 1998 betrafen durchschnittlich 78 Prozent aller Informationen über die beiden Spitzenkandaten ihre Persönlichkeit, der Rest ihre Sachkompetenz. In der Fernsehberichterstattung über die Bundestagswahl 2002 galten 85 Prozent der Informationen der Persönlichkeit der Spitzenkandidaten. (…)
Die Medien berichten nicht nur passiv über ein ohnehin ablaufendes Geschehen. Sie greifen vielmehr gelegentlich absichtlich oder unabsichtlich als Akteur in das Geschehen ein. Dies geschieht erstens durch das bewusste Hochspielen von Informationen, die bei öffentlichen Konflikten die Sichtweisen der Redakteure unterstützten (…), zweitens durch Beiträge, die quasi aus dem Nichts gezielte öffentliche Reaktionen provozieren, sowieso drittens durch die Inszenierung von Ereignissen eigens zum Zwecke der Berichterstattung. (…)
Vor dem Hintergrund der weit verbreiteten Befürchtungen von einem Wiedererstarken des Antisemitismus in Deutschland strahlte das RTL-Magazin stern tv Anfang der neunziger Jahre einen Beitrag über angebliche Aktivitäten des Ku-Klux-Klan in der Eifel aus, bei dem vermummte Gestalten ein Kreuz verbrannten und mit der Ermordung von Juden drohten. Später stellte sich heraus, dass die Szene mit eigens angeheuerten Laiendarstellern gestellt war. (…)
Die früher sehr positiven Meinungen über das Fernsehen haben sich im Laufe der Jahrzehnte deutlich verschlechtert. Betrachtet man nur die alten Länder, kann man zwischen 1964 und 1995 u.a. folgende Meinungsänderungen feststellen: Das Fernsehen “gibt einen vollständigen Überblick über alle wichtigen Entwicklungen in Politik und Zeitgeschehen” (76 Prozent stimmten 1964 dieser Aussage zu, 49 Prozent 1995), “berichtet klar und verständlich über politische Ereignisse” (61 Prozent bzw. 49 Prozent 1995), “berichtet wahrheitsgetreu und gibt die Dinge immer so wieder, wie sie wirklich sind” (47 Prozent bzw. 20 Prozent).[/quote]

Jörg-Dieter Gauger: Kultur und Schule: Vom Verschwinden des kulturellen Gedächtnisses

Hier mal nur ein besonders schönes Zitat:
[quote]In der “Bild-Zeitung” vom 31. Dezember 2007 formulierten die führenden Wirtschaftsverbände BDI, BDA, DIHK, ZDH zum Thema Bildung: “Zahl der Schulabbrecher senken, Schulabgänger müssen lesen, schreiben, rechnen können”. Auf Basisniveau zu alphabetisieren, das ist das, was heutzutage in der Wirtschaft unter Bildung verstanden wird. Aber das liegt im Großtrend.[/quote]
Leseempfehlung!

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