Sinnfragen am Ende der Arbeitsgesellschaft

[quote]Die ökonomische Rationalisierung der Arbeit bestand also nicht einfach darin, bereits existierende Produktionstätigkeiten methodischer und zweckmässiger zu machen, sie war eine Revolution, eine Umwälzung der Lebensweise, der Werte, der sozialen Beziehungen, und der Beziehung zur Natur. Sie war im vollen Wortsinn eine Erfindung von etwas vorher noch nie dagewesenem. Die produktive Tätigkeit wurde von ihrem Sinn, ihren Motivationen und ihrem Gegenstand abgeschnitten, um statt dessen bloßes Mittel zum Geldverdienen zu werden. Sie hörte auf, Teil des Lebens zu sein, um stattdessen Mittel zum Lebensunterhalt zu werden. Arbeitszeit und Lebenszeit wurden von einander getrennt.[/quote]


[url=http://www.amazon.de/dp/3858694290/]André Gorz: Kritik der ökonomischen Vernunft: Sinnfragen am Ende der Arbeitsgesellschaft[/url] (1988)
(via [url=http://medien.wdr.de/m/1283541122/radio/philosophischesradio/wdr5_das_philosophische_radio_20100903_2100.mp3]WDR5 Das philosophische Radio mit Otto Kallscheuer über André Gorz[/url], 3. September 2010)
[quote]Er fand sich genau so wieder, wie er vorher gewesen war, bis auf dies: Er hat gelernt, über das Leben nachzudenken. Er hatte nicht gelernt, sich zu ertragen. Er war vor sich selbst geflohen, da er seine Probleme stets im Abstrakten gestellt hatte, und fand sich unversehrt wieder. Auf sich selbst zurückgeworfen, musste er alles von vorn anfangen: eher mit sich selbst ins Reine kommen als mit “dem Menschen im Allgemeinen”. Aufhören zu glauben, dass ein Problem jemals gelöst werden kann. Jene Gewissheit wiederfinden, dass eine Philosophie uns nicht davon entbinden kann, zu leben, dass die Frage weiterbesteht und dass man sich endlos ertragen muss.[/quote]
[url=http://www.amazon.de/dp/3858693790/]André Gorz: Der Verräter[/url] (1958)