Essen im Eimer – Zitate aus der Dokumentation

[quote]”So ist er ja gut, der Kohlrabi. Aber wenn schon das Grüne ab ist, kauft ihn keiner mehr. Ist das Grüne dran, machen sie’s ab.” (Verkäuferin beim Aussortieren)[/quote]


“Mehr als die Hälfte unserer Lebensmittel landet im Müll (Welternährungsorganisation der UNO) – das meiste, bevor es unseren Eßtisch überhaupt erreicht.” (Sprecher)
“Wir leben in einem Überfluß. Das ist einfach so. Wir wollen nicht ein Produkt im Regal liegen haben, sondern wir wollen eine Auswahl haben, und das heißt, das bezahle ich als Kunde im Supermarkt alles mit, weil es wird ja nicht alles verkauft.” (Jörn Frank, BioWerk)
“Wir kaufen nicht Dinge ein die wir unbedingt brauchen, sondern wir kaufen Dinge, die wir irgendwann einmal brauchen könnten. Das heißt, wir rüsten uns mit Sinnoptionen. Wir versuchen, für jede Stimmungs- und Lebenslage gerüstet zu sein. Darum kaufen wir letzendlich immer zu viel.” (Stephan Grünwald, Psychologe und Marktforscher)
“Früher hatten wir ein Versorgungsproblem. Wir mussten hungrige Menschen satt machen. Heute leben wir ja im Überfluß und wir müssen satte Menschen hungrig machen, und das ist eine ganz wichtige Aufgabe für uns.” (Michael Gerling, Bundesverband Deutscher Lebensmittelhandel)
“Wir haben festgestellt, dass pro Filiale etwa 45 Kilo an genießbaren Lebensmitteln pro Tag weggeworfen werden.” (Felicitas Schneider, Institut für Abfallwirtschaft)
“Das Mindesthaltbarkeitsdatum wird von der Industrie selbst festgelegt, und nicht von einer Behörde. Es ist kein Hinweis auf gesundheitliche Risiken, das Datum garantiert nur spezielle Eigenschaften, z.B. dass ein Joghurt cremig bleibt.” (Sprecher)
“Es ist nicht vorhersehbar, was die Kunden kaufen. Sehr schade, weil man das Fleisch noch nicht einmal an eine Hilfsorganisation verschenken kann, weil die Haltbarkeitsfrist super kurz ist. Da kann man nichts machen.” (Verkäufer beim Aussortieren)
“Ein Supermarkt wie dieser produziert jedes Jahr zwischen 500 und 600 Tonnen Abfälle. Man sieht es leider an unseren Mülltonnen, dass Nahrungsmittel bereits vor Ablauf weggeworfen werden. Das liegt daran, dass die Hersteller die Mindesthaltbarkeitsdaten ihrer Produkte immer mehr verkürzen, was sie mit erhöhter Vorsorge begründen.” (Supermarktleiter)
“Es gibt Kartoffeln die sind entweder zu klein, die sortiert der Roder ohnehin aus. Dann gibt es Kartoffeln die sind zu dick, dicke Kartoffeln die die Käufer nicht wollen, und die werden auch rausgeworfen. Dann gibt es Macken wie Verwachsungen oder Dellen, die sind dann eben nicht mehr verkaufsfähig und werden auch gleich weggeschmissen. Insgesamt werden etwa 40 bis 50 Prozent aussortiert.” (Bauer)
“Die Abschaffung der Norm ist de fakto ein klassischer Flop, weil die Händler auf der einen Seite, die Vorlieferanten, und auf der anderen Seite die Lebensmittelhändler, vereinbart haben, mit Abschaffung der Norm genau das gleiche weiter zu tun. Ohne Normen kann man zwischen Kaufleuten nicht handeln. Gurken die krumm sind, die konnte man vorher nicht kaufen, und wenn sie heute durch die Geschäfte gehen, dann werden sie auch heute keine krumme Gurke sehen.” (Karl Schmitz, Bundesvereinigung Obst und Gemüse)
Etwa 5 Prozent der in den USA produzierten Lebensmittel werden direkt weggeschmissen, weil sie nicht der Norm entsprechen. Es gibt Farbtabellen, ein Scanner überprüft ob die Tomaten die richtige Farben haben. Zu rot oder zu wenig rot wird aussortiert. Genauso bei Größe.
[url=http://coforum.de/index.php?1918]Community Supported Agriculture[/url] in den USA, eine Gegenbewegung: Direktverträge mit Bauern, Mitglieder zahlen etwa 50 Cent pro Tag und können so viel Obst und Gemüse bekommen wie sie brauchen.
[quote]”Zuerst war es schwer, weil, als wir hier Mitglieder wurden, gab es eine Menge an grünem Gemüse. Und ich hatte zuvor noch nie grünes Gemüse gegessen. Aber ich schaute dann in ältere Kochbücher, als die Leute noch regelmässig Gemüse aßen, und stellte fest, es gibt eine Menge Rezepte dafür. Ein Kochbuch aus den sechziger Jahren hat mir am meisten geholfen.” (CSA-Mitglied)[/quote]
Noch eine Idee aus den USA: Essensabfälle in Restaurants etc werden automatisch gescannt und gewogen, Koch, Einkauf und Mitarbeiter erhalten Feedback. “Alles in allem haben wir letztes Jahr rund 40000 Dollar gespart. Und das nur, weil wir den Müll gewogen haben.”
“In Deutschland werfen Haushalte jedes Jahr Lebensmittel im Wert von bis zu 20 Milliarden Euro in die Tonne. Das entspricht dem Jahresumsatz von Aldi.” (Sprecher)
“Verbraucher erwartet volles Brotregal” – so genannte ‘Retourenquote’ bei Bäckern ~10-20%
Mietklauseln in Supermarktketten wie “volles Brotregal bis 18:30”
500 tausend Tonnen Brot werden jährlich weggeworfen – Versorgungsmenge von Niedersachsen.
[url=http://www.wdr.de/wissen/wdr_wissen/programmtipps/fernsehen/10/sf/10/25_0750_w.php5]WDR Dokumentation: Essen im Eimer[/url]