Kriegsverbrechen der USA im Irak und die Lage der Kriegsverweigerer

Heute war eine Veranstaltung zum Thema “Kriegsverbrechen der USA im Irak und die Lage der Kriegsverweigerer” in der Dresdner Schauburg. Ein Vertreter des [url=http://www.ahriman.com/]Ahriman-Verlags[/url], zusammen mit dem Dokumentarfilmer [url=http://de.wikipedia.org/wiki/Frieder_Wagner]Frieder Wagner[/url] berichten über die systematischen Kriegsverbrechen der USA im Irak in den letzten 30 Jahren, verbunden mit einer Vorführung der Dokumentation “Der Arzt und die verstrahlten Kinder von Basra” über die umstrittene Anwendung von Uranmunition und einer anschließenden Diskussion zur Thematik “USA als imperialistische Weltmacht”.


Ich fasse mal kurz die Darstellung des Verlags zusammen: Die Werbung für die Veranstaltung an Litfaßsäulen und in Bahnhöfen in München sei kurzfristig ohne wirkliche Begründung untersagt worden; für die Plakatierung an Bahnhöfen und Säulen sei bundesweit die Firma Ströer zuständig und die stehe offenbar unter Kontrolle staatlicher Stellen. Die Verlagsvertreterin las aus einem Brief der Firma in Bezug auf eine identische Plakatierung in Dresden vor, in dem von einer “vorläufigen Genehmigung” die Rede war, und der “Bitte um das Verständnis”, dass eventuell anfallende Kosten einer kurzfristigen Entfernung leider dem Verlag zu berechnen sei. Ahriman deutet das als eindeutiges Zeichen einer versuchten bzw. stattgefundenen Zensur, besitze aber bislang keine weiteren Informationen über “die Verantwortlichen im Hintergrund”.
Ich selbst hab das Plakat übrigens im Dürüm Haus und am Bahnhof Neustadt kurz gesehen, heute bzw. gestern war es allerdings nicht mehr da.
Ähnlich wurde bezüglich des Dokumentationsmachers Frieder Wagner argumentiert: Nachdem er sich mit dem Thema Uranmunition und den scheinbaren Folgen für Bevölkerung und Soldaten beschäftigt hatte, der WDR seine Dokumentation einmal im Nachtprogramm ausgestrahlt hatte und anschließend “im Giftschrank verschwinden ließ”, der zuständige Programmchef “gehörigen Ärger” bekam (manche munkeln auch Entlassung), wurden Frieder Wagner keine weiteren Aufträge erteilt. Für eine weitere von ihm über das Thema in Eigenregie produzierte Dokumentation ließ sich bis heute kein Verleiher finden, für eine gekürzte Fassung habe sich schließlich eine kirchliche Einrichtung gefunden, die diesen Film nun zu Bildungszwecken für Schulen anbiete.
Laut Wagner war ein einziges Mal eine Berichterstattung über das Thema im Spiegel im Januar 2001, woraufhin der Reporter wieder Ärger von Vorgesetzten bekommen habe, zusammen mit der Mitteilung dass “über das Thema eine Nachrichtensperre verhängt” sei. Kein anderes Medium traue sich, das Thema aufzugreifen. So ganz scheint das nicht zu stimmen, zumindest im Dezember 2003 gab es einen weiteren Artikel zu Uran-Munition im Spiegel bzw. SpOn, aber im Großen und Ganzen bleibt die gesamte Thematik natürlich ein hochbrisantes und wenig beachtetes Thema (die Medien sind halt schon wieder weiter, alter Hut sozusagen – obwohl die Munition scheinbar einfach weiterhin zum Einsatz kommt…). Und dass die USA systematisch weltweit alles platt machen, und Deutschland da schön brav mitspielt, sollte langsam sowieso klar sein. Ob und wie weit hier Zensur oder gar, wie auch angesprochen, Mordversuche gegen den Arzt in der Dokumentation liefen, kann man oder kann man nicht glauben, aber elementar bleiben die wiederholten krassen Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen der USA.
Wer sich ein eigenes Bild machen will:

  • [url=http://video.google.com/videoplay?docid=8192977154296057254]WDR: Der Arzt und die verstrahlten Kinder von Basra[/url] (43min)
  • [url=http://www.youtube.com/watch?v=VkKveJFdUjM]Deadly Dust – Todesstaub[/url] (längere Dokumentation)

Und die Spiegel-Quellen zum Thema Uran-Munition:

  • 9. Januar 2001: [url=http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,111218,00.html]Scharping gegen Untersuchung aller Balkan-Soldaten[/url]
  • 9. Januar 2001: [url=http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,111419,00.html]Freiwild für die Nato[/url]
  • 13. Januar 2001: [url=http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,112234,00.html]Bundesregierung wusste weit mehr als sie bislang zugegeben[/url]
  • 17. Januar 2001: [url=http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,112729,00.html]Deutscher Soldat: Ich habe Uran-Munition verschossen[/url]
  • 24. Januar 2001: [url=http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,113797,00.html]Scharping: Auch Bundeswehr hatte Uran-Munition[/url]
  • 16. Dezember 2003: [url=http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,278417,00.html]Uranmunition im Irak: Das strahlende Vermächtnis der Alliierten[/url]

[quote]Grundgesetz Artikel 26 (1) Handlungen, die geeignet sind und in der Absicht vorgenommen werden, das friedliche Zusammenleben der Völker zu stören, insbesondere die Führung eines Angriffskrieges vorzubereiten, sind verfassungswidrig. Sie sind unter Strafe zu stellen.[/quote]
Achja, dann gab es noch “nützliche Informationen” über die Perversität der Kriegsdienstverweigerung bzw. Desertation in den USA, die im Extremfall zur Todesstrafe führt. Ein Asylverfahren zweier Deserteure in Kanada und Deutschland sind seit Jahren anhängig. Buchempfehlung des Verlags dazu: [url=http://www.amazon.de/Ich-bin-ein-Deserteur-Irakkrieg/dp/3455500331/]Ich bin ein Deserteur: Mein Leben als Soldat im Irakkrieg und meine Flucht aus der Armee[/url] von Joshua Key (2007).
Auch wenn keine parteipolitische Agenda in den Vordergrund gestellt wurde und keine Organisation genannt wurde steckt hinter der Veranstaltung wohl der [url=http://www.bund-gegen-anpassung.com/]Bund gegen Anpassung[/url], der unter anderem auch Geburtenkontrolle fordert und den “würdelosen Untergang der Sowjetunion” bedauert. In die Kategorie “Brett vorm Kopf” gehört auch die Petition gegen die “Strafgebühr für Glotzen- und Radioverweigerer”, weil das öffentlich-rechtliche Rundfunksystem sowieso nur Propaganda und Zensur betreibe.

  • [url=http://www.heise.de/tp/r4/artikel/17/17793/1.html]Ahrimans Erben: Von der “Marxistisch-Reichistischen-Initiative” zum “Bund gegen Anpassung”[/url] (Telepolis, 5. Juli 2004)

Fazit: Berechtige Kritik treibt mitunter eben doch sehr skurrile Blüten. Der Dokumentarfilm scheint trotzdem sehenswert.