Auch das ist kein bissiger Kommentar. Wir stellen lediglich …

Auch das ist kein bissiger Kommentar. Wir stellen lediglich fest, wie einäugig unsere Weltsicht ist: Der Amateurfunk sei die Brücke zur Welt und unpolitisch, deshalb schert uns eben nicht, ob unser Gegenüber ein Millionär ist oder ein Erwerbsloser, ein freier Bürger in einem freien Land oder ein DXpeditionär in einer Diktatur (wie in Myanmar, wo es keine einheimischen Funker gibt). Der Amateurfunk ist unpolitisch, punktum.

Aber der Mensch, das wussten schon die alten Griechen, ist ein zoon politikon. Politik in diesem Sinn ist nicht, was die Politiker tun, sondern wie wir uns unseren Nächsten gegenüber verhalten, auch wenn diese Nächsten die fernsten, die entferntesten sind – nein! Sie sind ja gar nicht fern! Ist doch der Amateurfunk, tausendmal beschworen, die Brücke zur Welt, und mehr noch: die Brücke zu einer Welt ohne Grenzen. Wenn das nicht bloße Phrase, bloßes Lippenbekenntnis sein soll, müssen wir in der Welt mehr sehen als ein abstraktes Gebilde abzuarbeitender DXCC-Gebiete. Und als Funkamateure sollten wir uns nicht darauf beschränken, mit der Ablieferung eines Rapports angeblich einen Schritt auf dieser Brücke zur Welt ohne Grenzen getan zu haben. Wenn wir außer einem kleinen Schein für die Direkt-QSL auch einen größeren Schein für die Linderung der Not hergeben, wird davon zwar vermutlich nicht die Welt gerettet. Aber vielleicht stirbt ein Mensch weniger an Hunger. Dann ist die Brücke zur Welt ohne Grenzen vielleicht ein winziges Stück tragfähiger geworden – auch als Brücke der Menschlichkeit und Solidarität.

Wolf Harranth, Editorial Funkamateur 9/2011

(View on gamamb.tumblr.com)

You may also like...