Es gibt aber keinen Zweifel daran, daß die perfekte …

Es gibt aber keinen Zweifel daran, daß die perfekte Technik der Endzustand ist, auf den zu sich die Technik bewegt.Vielleicht wird er nie erreicht, aber der Abstand zu ihm wird immer kleiner, so wie sich eine Kurve ihrer Asymptote nähert. Es ist deshalb ein nützliches Denkmodell, sich die Situation des Menschen im Zustande der perfekten Technik vorzustellen.
Vor allem interessiert hier die Frage, welche Sozialstrukturen im Zustande der perfekten Technik möglich sind. Insbesondere: Wie kann im Zustande der perfekten Technik besorgt werden,
– daß die noch vom Menschen zu leistende Arbeit sinnvoll verteilt wird,
– daß der entstehende Nutzen sinnvoll auf die Menschen verteilt wird, und
– daß die ungeheuer wirkungsvollen Mittel der perfekten Technik nicht zum Schaden der Menscheit benutzt werden?

Es scheint mir undenkbar, daß die Verfügung über die perfekten technischen Mitel anders als durch gesellschaftliche Kontrolle geschehen kann. Schon heute sind große Bereiche gesellschaftlicher Aktivität der marktwirtschaftlichen Kontrolle entzogen, vor allem Erziehung und Gesundheitswesen. Andere sind im allmählichen Übergang von der marktwirtschaftlichen Kontrolle zur sozialen Kontrolle, z.B. Energie und Raumordnung. Es ist anzunehmen, daß im Zustande der perfekten Technik der marktwirtschaftlich regelbare Anteil gegenüber dem *notwendigerweise* sozial geregelten Anteil vernachlässigbar wird. Das Individuum mit seiner Unberechenbarkeit und seinem nur scheinbar gebändigten Egoismus darf einfach die Schalthebel der perfekten Technik nicht in eigener Verantwortung betätigen. Die gegenwärtige Praxis mit den Atombomben ist symptomatisch für diese Notwendigkeit.

Karl Steinbuch: Falsch programmiert: Über das Versagen unserer Gesellschaft in der Gegenwart und von der Zukunft und was eigentlich geschehen müsste. (1968; Seite 144)

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