Die klugen Köpfe der Elite in Deutschland und Frankreich …

Die klugen Köpfe der Elite in Deutschland und Frankreich sind zu der Auffassung gekommen, daß man strategisch gegen die USA nicht konkurrenzfähig ist. Deutschland und Frankreich konnten nicht alleine Europa beherrschen, also hat man den Plan gefaßt, das mit ein paar anderen Staaten über die EU zu realisieren. Da ist der Ausgangspunkt ungefähr gleiche Wirtschaftskraft, in ferner Perspektive vielleicht sogar vergleichbare militärische Schlagkraft. Das ist das Projekt EU. Im Gegensatz zu der unterschwelligen Behauptung, wir seien der Zahlmeister Europas und das arme Opfer, hat dies Deutschland gewaltige Vorteile gebracht: Deutschland hat innerhalb des Euro-Raumes ein traumhaftes Exportvolumen, das durch keine Währungs- und keine Zollgrenzen behindert wird. Deutschland kann viele Länder, wie zum Beispiel Griechenland, behandeln wie seine Absatzmärkte. Deren Konkurrenzfähigkeit ist erloschen, und solange sie kreditiert wurden, mußten sie die deutschen Exportgüter kaufen.Es hat also ein Reichtumstransfer nach Deutschland stattgefunden. Deutschland steht währungspolitisch sehr gut da. Gäbe es den Euro nicht und müßte Deutschland mit seiner starken D-Mark konkurrieren, wären die Probleme mit der Schweiz vergleichbar oder mutmaßlich noch schlimmer. Man hat also gesagt: Uns steht Europa offen, machtpolitisch und ökonomisch, wir können ums Weltgeld konkurrieren mit den USA, später auch mit China. (…)
In diesem Prozeß, wo die EU als deutsch-französisches Projekt sich aber aus konkurrierenden Nationalstaaten zusammensetzt, kommt es zu erheblichen Widersprüchen. In den Zeitungen steht, man sei empört, daß die Politiker so streiten. Als sei es etwas Außergewöhnliches, nationales Interesse wahrzunehmen. Das ist lustig. Jeden Tag steht in der Süddeutschen Zeitung, die Poltiker sollten sich einigen. Als könne Sarkozy einfach unberücksichtigt lassen, daß die französischen Banken unter einer griechischen Pleite mehr leiden würden als die deutschen. Oder als könnte Deutschland unberücksichtigt lassen, daß Sarkozys Idee, die Notenpresse anzuwerfen, dem Projekt, den Euro zum führenden Weltgeld zu machen, ganz schön schaden würde.

Thomas Ebermann im Konkret-Gespräch: “No way out? Streitgespräch über den Kapitalismus” (Konkret 12/2011)

(View on gamamb.tumblr.com)

You may also like...